Geistliche Impulse

 Ein einsames Wegkreuz im Schutz zweier Bäume

Inhaltsübersicht

AUTOFASTEN

Vom 01. März bis 15. April 2017

Die Fastenzeit ist eine besinnliche Zeit. In den Wochen vor Ostern kann es uns gelingen, über unseren Lebensstil nachzudenken. Wie viel habe ich zum Leben? Wie viel benötige ich zum Leben? Worauf kann ich verzichten? Autofasten ist eine Möglichkeit, in der Fastenzeit Schöpfungsverantwortung im Alltag bewusst zu leben. Als Christen sind wir in der Fastenzeit eingeladen, unsere Beziehung zu Gott und den Mitmenschen zu überdenken und zu vertiefen, eigene Gewohnheiten und Verhaltensweisen zu verändern und in diesem Sinne neu in Bewegung zu kommen.

In diesem Zusammenhang möchten wir Sie einladen, gemeinsam vom 1. März bis zum 15. April an der Aktion AUTOFASTEN teilzunehmen. In dieser Zeit sind Autofahrerinnen und Autofahrer eingeladen, ihr Fahrzeug möglichst wenig zu nutzen und stattdessen alternative Formen der Mobilität auszuprobieren. Für die vier Wochen wird empfohlen, die alltäglichen Wege mit dem Fahrrad oder mit Bus und Bahn zurückzulegen. Bitte melden Sie sich dazu auf der Seite www.autofasten.de  an. Wer angemeldet ist, bekommt weitere Informationen, Tipps und Impulse im Rahmen der Aktion zu Verfügung gestellt.

Wo das Nachdenken zum Handeln wird, werden wir solidarisch mit unseren Mitmenschen, die vom Klimawandel betroffen sind. Auch umweltbewusstes Handeln kann ein Fasten sein, „wie Gott es liebt“ (siehe Jesaja 58,1-14), da es zur Gerechtigkeit beiträgt. So ist auch AUTOFASTEN ein Beitrag zur Solidarität unter uns Menschen.

Darüber hinaus geht es beim AUTOFASTEN, wie bei anderen Varianten des Fastens, um eine doppelte Blickrichtung. Wovon werde ich frei? Wofür werde ich frei?  Zum Beispiel befreie ich mich von der lästigen Parkplatzsuche und ich werde frei für die Sinneseindrücke, die ich zu Fuß oder auf dem Fahrrad unmittelbarer als im Auto erlebe. Das AUTOFASTEN lädt ein, ganz persönliche Antworten auf das „Wovon“ und das „Wofür“ zu finden.

Die Aktion Autofasten findet bereits zum 20. Mal statt. Zum zweiten Mal nimmt das gesamte Erzbistum Köln dieses Jahr an der Aktion teil.

Ganz im Sinne des Perspektivwechsels unterstützt auch „pfarr-rad.de“, das Fahrradportal des Erzbistums Köln, diese Aktion. So bieten wir  nicht nur auf unserer Tourenseite eine Vielfalt unterschiedlicher radstrecken zu kirchlichen Zielen an, sondern  mit unseren Kooperationspartnern während der Fastenzeit  auch zahlreiche geführte Touren an, die den Teilnehmern neue Einblicke in das Thema Glaube und Kirche ermöglichen.

Probieren Sie mal aus, wie viel Auto Sie wirklich brauchen. Versuchen Sie in der Fastenzeit einfach mal einen anderen Weg. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme.

http://www.erzbistum-koeln.de/autofasten

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Madonna del Ghisallo

Schutzheilige der Fahrradfahrer


„Oh Mutter unseres Herrn Jesus, wir bitten Dich, uns gütig beistehen zu mögen und uns zu beschützen bei unserem radsportlichen Tun!“
Radfahrer-Gebet, welches in der Kapelle hinterlassen wurde

Die Kapelle
Massimo C. - wikimedia

Auch wenn man natürlich den Hl. Christopherus als Schutzheiligen der Radfahrer annehmen kann, so stößt bei ein wenig Recherche auf den Namen „Madonna del Ghisallo“. 1949 hat Papst Pius XII jene Madonna del Ghisallo zur Schutzheiligen für Radfahrer ernannt.

Zur Legende der Madonna der Ghisallo gehört folgende Erzählung. So reiste Graf Ghisallo eines Tage durch Magréglio. Von einem Moment zum anderen wurde er von Räubern überrascht. In seiner Verzweiflung entdeckte er das Bild der Jungfrau Maria in einem Straßenschrein und versteckte sich vor den Räubern hinter diesem. Während er betete, gingen die Angreifer auf wundersame Art und Weise vorüber. So konnte der Graf letztendlich entkommen.

Die Kapelle liegt wenige Meter vom 400-Seelendorf Magréglio entfernt und ist bereits 1623 an der Passstraße Ghisallo erbaut worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie immer öfter „Halte- und Raststätte“ für Radfahrer. Die Idee, die Kapelle dem Radsport zu weihen, stammt von Pater Ermelindo Vigano. Seit der offiziellen Ernennung von Madonna del Ghisallo zur Schutzpatronin, pilgerten auch die großen Stars des italienischen Radsports zu ihr – Alfredo Binda, Francesco Moser, Marco Pantani oder Mario Cipollini. An den Wänden der Kirche hängen Trikots, Fotos – oder sogar ganze Fahrräder.

In Anspielung auf diese Heilige hat der bekannte Fahrradhelmhersteller „Bell“ einen Helm mit dem Namen „Bell Ghisallo“ geschaffen.
Text Max Moll

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Radfahren, Glauben und Kirche

Fahrrad-Fahren in freier Natur ist ein Erlebnis der besonderen Art, oft auch eine Erfahrung des Eins-Seins mit der Schöpfung – eine Heilserfahrung im besten Sinne. Die Bewegung aus eigener Kraft lässt Freiheit spüren. Die Ruhe der Fortbewegung lässt Weg und Feld, Wald und Tiere erleben. Die Sinne öffnen sich für geistige und geistliche Impulse.


Kirchen – Orte des Gottesbezugs

Der tiefere Sinn der angebotenen Touren ist die Unterbrechung, wenn auf der Strecke eine besondere Kirche oder ein geistlicher Ort liegt. Kirchengebäude sind insofern besondere  rte, als sie zunächst ausschließlich der (Ver-) Sammlung vor Gott dienen - Architektur gewordener Glaube an Gott als den Urgrund allen Seins. Sehnsuchtsorte, in denen Raum und Zeit sowohl erlebt als auch überstiegen werden können.

Kirchen erzählen Geschichten von Gottesbegegnung, von Gottsuche, von Anbetung und Verzweiflung, von Bitte und Erhörung. So bieten die Wegpunkte auf den Strecken jeweils eine Unterbrechung an. "Unterbrechung", sagt der Theologe Johann B. Metz, "ist die kürzeste Definition von Religion". Kirchen sind Orte der Unterbrechung, sie

 Stained glass roundal of the Canon Walter Herbert Marcon on his Bike in the church, Edgfield, Norfolk

Stained glass roundal of the Canon Walter Herbert Marcon
on his Bike in the church, Edgfield, Norfolk
Evelyn Simak
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 Drachenfels am Horizont

Gebete für Fahrradfahrer

Gebet zum Aufbruch

Es ist noch früh am Morgen, der neue Tag beginnt.
Der Morgen ist noch frisch und kühl,
der Tau liegt auf der Wiese, Vögel singen schon seit der Frühe.

Die Natur erwachte
schon lange bevor wir benommen
aus dem Bett gestiegen sind.
Dennoch sind wir ein Teil der Natur
und spüren das besonders stark,
weil wir uns heute ohne Hilfe von Motoren und Benzin fortbewegen wollen.
Unser Treibstoff ist unser Essen und unser Trinken
und die Gemeinschaft, in der wir auch am Berg stark sind.

Wenn es vielleicht auch schmerzt, auf den Sattel zu steigen,
weil unser Körper noch von gestern geschlaucht ist,
so freuen wir uns dennoch:
denn bald spüren wir den Fahrtwind
und lassen uns rollen.

Wir sind neugierig, voller Spannung und Erwartungen,
neugierig auf den Weg, das Wetter, die Etappen und die Ziele.
Wir suchen neue Eindrücke und unbekannte Horizonte.

Weg von Alltag, hin zur Freiheit, die wir radelnd erspüren möchten.
Ein Funken Abenteuerlust liegt in uns.

Was der neue Tag wohl bringen mag?

Sei bei uns und begleite uns,
lass uns diesen neuen Tag annehmen,
so wie du ihn für uns gemacht hast.
Amen.
Dieter Böttcher

Gebet für Radfahrer

Guter Gott,
heute morgen haben wir uns getroffen.
Wir wollen unseren Weg gemeinsam zurücklegen.
Schenke uns gute Begegnungen mit anderen Menschen
und lass uns Orte der Ruhe finden.
Bewahre uns vor Unfällen
und sei bei uns, wenn wir eine Panne haben.
Sei bei uns, wenn es regnet
und wenn die Sonne scheint.
Lass uns offene Menschen treffen
und offene Kirche finden.
Lass uns unser Ziel nicht verlieren,
weder das heutige noch das Ziel unseres Lebens.
Guter Gott, sei bei uns an diesem Morgen,
begleite uns heute an diesem Tag
und lass uns den Abend als neue Menschen erleben.
Amen.
Dieter Böttcher

Gebet zur Ankunft

Wir sind am Ziel des heutigen Tages angekommen.

Wir danken dir für deinen Schutz
für die guten Begegnungen an diesem Tag.

Wir danken für die Menschen,
die uns an diesem Tag und Abend
mit Essen und Trinken versorgen.

Wir danken dir für das Wasser und die Seife,
und für die Menschen, die für uns ein Bett bereitet haben.

Wir danken dir für die Menschen, die Straßen gebaut,
Rastplätze angelegt und Sitzbänke aufgestellt haben
und für die, die die Mülleimer entleeren werden.

Wir danken den Menschen, die das Rad erfunden haben,
und die unsere Räder hergestellt haben,
so dass wir so leicht so viele Kilometer fahren konnten.

Ohne diese Menschen wäre dieser Tag nicht gelungen.

Wir danken dir für die guten Ideen,
die uns beim Radfahren gekommen sind.

Wir danken für die Entspannung,
die du uns nach diesem anstrengenden Tag schenkst.

Schenke uns einen ruhigen Abend,
schenke uns Erholung durch viel Schlaf,
so dass wir morgen früh Kraft für den neuen Tag haben werden.

Zwar sind wir am Ziel angekommen -
doch ist dieser Ort nur ein Zwischenziel
auf unserer großen Fahrt durch das Leben.

Segne uns, Gott.
Amen.
Dieter Böttcher

„Herr ich bitte dich, hilf mir, dass meine Fahrt ohne Probleme und Unfälle geschieht. Die Schönheit der Natur, mein Körper, und die Erde sind deine Geschenke und ich bin dankbar dafür, dass ich die Chance habe diese Dinge zu erleben.“
Diakon Mark Smith, aus dem Englischen

„Herr du bist stets mit uns auf dem Weg. Wenn ich mich gleich wieder auf dem Weg mache um die Schönheit und Fülle deiner Schöpfung zu erfahren, bitte ich dich: Fahre mit mir. Sei bei mir, wenn meine Beine durch die Anstiege schmerzen, wenn ich den Wind bei den Abfahren spüre, wenn ich das Rascheln der Blätter höre, wenn die Geschwindigkeit das Blut in den Ohren rauschen lässt, wenn ich dich erfahre in meinen eignen Grenzen und der Grenzenlosigkeit deines Seins. Sei du die Ewigkeit in der Zeitlosigkeit des Radfahrens. Amen.“
Max Moll

„Bevor wir dich um etwas bitte, möchten wir auf das schauen, was wir haben.
Bevor wir um etwas beten, wollen wir danken.
Danken, dass wir Radfahren können.
Danken, dass es Tage zum Radfahren gibt.
Danken, dass wir in Gemeinschaft fahren können.
Worum wir auch bitten, wir wollen auch immer an das Denken, was wir schon haben. Alles was wir haben kann uns auch stets genommen werden. Darum lasst uns um Dinge bitten, die nicht käuflich sind: Die Schönheit der Natur.Tiefe Atemzüge der klaren Luft, die unseren Geist aus den Schlingen des Alltags befreien.
Und die Kraft zum Tragen der Lasten unseres Lebens.
Amen,“
Catherine Mills, aus dem Englischen

Reisesegen

Möge dein Weg dir freundlich entgegenkommen,
möge der Wind dir den Rücken stärken.
Möge die Sonne dein Gesicht erhellen und der
Regen um dich her die Felder tränken.
Und bis wir beide, du und ich, uns wieder sehen,
möge Gott dich schützend in seiner Hand halten.
Irischer Reisesegen

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 Wegkreuz am Feldweg

Unterwegs zu Gott - Vom Sinn der Wallfahrt

Wir sind nur Gast auf Erden
und wandern ohne Ruh
mit mancherlei Beschwerden
der ewigen Heimat zu.

(Georg Thurmair, Gotteslob Nr. 505)

Die ersten Christen werden in ihrer Umgebung „Leute des neuen Weges“ genannt. So überliefert es die Apostelgeschichte (9,2), die auch sonst viel von Wegen, vom Aufbrechen und Ankommen berichtet. Auch zu Abraham, dem Urvater des Glaubens, gehört das Unterwessein, ebenso wie zu den Heiligen drei Königen, die dem Stern folgen, der sie zu dem verheißenen Gotteskind führt.
Bis heute hat sich das Weg-Motiv für das christliche Leben als prägend erwiesen: unterwegs sein zu einem Ziel, das Gott gesetzt hat und das er letztlich selber ist. Es war nur folgerichtig, dass die Konzilsväter des II. Vatikanischen Konzils die Kirche als pilgerndes Volk Gottes bezeichnet haben.

Pilger, Wallfahrer sind unterwegs – allein, in Gruppen oder ganzen Gemeinden. Zu Fuß, mit dem Rad, mit Bus oder Flugzeug haben sie sich aufgemacht, Gewohntes verlassen. Sie wagen sich an Neues, öffnen sich dafür; sie rechnen damit, dass die Erfahrungen auf dem Weg sie verändern. Wer pilgert, konzentriert sich auf den Weg und behält das Ziel im Auge; er hat Zeit und Muße, beides zu bedenken und ins Gebet zu nehmen. Wenn beim Gehen oder Pedaltreten der Mund verstummt, vielleicht die Gedanken entschwinden, dann beten Beine und Füße weiter.

Wallfahrt ist sowohl in spiritueller Hinsicht wie auch ganz wörtlich Christus-Nachfolge: Jede traditionelle Wallfahrtsprozession wird angeführt vom Kreuz, dem Zeichen für christlichen Glauben und Gemeinschaft, dem Wegweiser zum Ziel, der den Weg nicht nur weist, sondern ihn mitgeht. Wer beim Pilgern den Gekreuzigten nicht aus dem Blick verliert, wird seinen Weg finden und natürlich auch den Weg zum Wallfahrtsort. Dort erwarten ihn die, die schon lange voraus gegangen und angekommen sind, und mit ihrem Leben bis auf den heutigen Tag Zeugnis geben von Gott: Heilige – wo sie verehrt werden, hat sich Gott über Generationen für viele Pilger – gläubige, zweifelnde, suchende, beladene, dankbare - als besonders anwesend, ansprechbar, erfahrbar erwiesen. Gnadenorte, die erahnen und spüren lassen, wohin die Wallfahrer letztlich unterwegs sind, zur Heimat bei Gott.

Bernhard Riedl

 

 

Im Dialog mit Gott – beten

Zeit

Wer sich Zeit nimmt für Gott, wer sich einen Ort, einen Raum schafft für ihn, der hat angefangen zu beten. Er schenkt Gott etwas von dem, was er empfangen hat.

Einsilbig

Gott lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Wir leben in der Zeit. Aber oft haben wir keine. Dann ist Gelegenheit für das geseufzte Gebet, das Stoßgebet: Hilf! Danke! Verzeih! Segne mich - sie - ihn! Erbarme Dich meiner - seiner - ihrer!

Gelassenheit

Wer darauf vertraut, dass Gott es unbedingt gut mit ihm meint, der glaubt und betet. Der antwortet mit seinem Leben auf die Zuwendung Gottes. Und der darf gelassen sein: Gott ist mit ihm.

Stille

Wie im übrigen Leben auch, lässt sich in Stille besser zuhören. Und antworten. Wer wirklich zuhört und hinschaut, wer die Wirklichkeit wahrnimmt und dann Fragen an Gott hat, der hat angefangen zu beten.

Orte

Gott ist gewiss nicht nur an besonderen Orten zu sprechen. Er ist ansprechbar – wann und wo auch immer. Manche beten gern in Kirchen und Kapellen oder in einer Meditationsecke. Dort, wo schon sehr viele und seit langem vor einem gebetet haben. Das hilft oft, sich zu sammeln und einzustimmen in das Gebet aller Glaubenden.

Worte

Über die Jahrhunderte hat sich von den Psalmen bis zu neuen Texten im Gotteslob aber auch auf vielen Internetseiten ein wahrer Gebetsschatz angesammelt. Daraus kann man sich bedienen, wenn einem mal die eigenen Worte fehlen. Andererseits kommt es auf die Worte nicht unbedingt an, wie eine Begebenheit zeigt, die der Heilige Pfarrer von Ars erzählt. „Da gab es einen Mann der niemals an der Kirche vorbei ging, ohne sie zu betreten, morgens wenn er zur Arbeit ging und am Abend wenn er wieder zurückkam. Er ließ seinen Spaten und seine Axt an der Tür stehen und blieb eine lange Zeit in der Anbetung vor dem Allerheiligsten Sakrament. ... Ich fragte ihn einmal, was er während seiner langen Besuche zu unserem Herrn sagt. Wisst ihr, was er geantwortet hat? ‚Oh, ich sage gar nichts zu ihm, Herr Pfarrer. Ich schaue ihn an, und er schaut mich an.’”

Bernhard Riedl

 

Das Angelus-Gebet: 3 x täglich "Unterbrechung"

„Gott ist stark.“ Das ist kein Spruch aus der Jugendpastoral, sondern einfach die Übersetzung von Gabriel. Gabriel ist „der Engel des Herrn“, der Erzengel – ganz nah dran an Gott, sein Botschafter. Er richtet etwas aus bei den Menschen. Maria aus Nazareth bringt er bei, dass Gott Besonderes mit ihr vorhat. Ausgerechnet mit ihr soll ein neues Kapitel in der Beziehungsgeschichte zwischen Gott und Mensch anfangen. Aus der Ewigkeit will Gott in die Zeit kommen, und zwar ausgerechnet mit ihrer Hilfe.

Der Engel als Bote Gottes

Wie soll das gehen? Der Engel des Herrn erzählt Maria vom neuen Bund, den Gott mit den Menschen schließen will; er weiht sie ein in Gottes Pläne: Sein Heiliger Geist zeugt ein Kind. Du, Maria, bringst Gottes Kind zur Welt. Es wird heilig und Gottes Sohn genannt werden, unter den Menschen leben und lehren.

Der ebenso verdatterten wie zweifelnden jungen Frau sagt der Gottesgesandte Gabriel kurz und knapp: „Gott ist nichts unmöglich.“ So sagt sie ja und lässt sich ein auf das Abenteuer Gott.

Das Angelus-Gebet heiligt die Zeit

Und der Engel des Herrn behält Recht. Deshalb trägt aus gutem Grund ein christliches Grundgebet seinen Namen. Seit dem 13./14. Jahrhundert gibt der Angelus - das Gebet und das dazugehörige Glockenzeichen - dem Tag der Christen eine Struktur. Er heiligt die Zeit, er erinnert daran, er vergegenwärtigt, dass mit Jesus von Nazareth Gott in die Welt und in die Zeit gekommen ist.

Dreimal täglich mit Gott Verbindung aufnehmen

3 x täglich – das erinnert an Medizin, die regelmäßig eingenommen werden muss, damit sie hilft, gesund zu werden oder gesund zu bleiben.

3 x täglich Angelus könnte heißen: 3 x täglich mit Gott Verbindung aufnehmen; 3 x täglich sich an Gottes Verheißung und die Erfüllung dieser Verheißung erinnern; 3 x täglich mit der großen, weltweiten Gemeinschaft der Beter verbunden, gleich wo man sich befindet; 3 x täglich für einige Augenblicke innehalten, den Alltag unterbrechen, um dem Schöpfer und Erlöser die Ehre zu geben.

Sich unterbrechen lassen

Wer das Angelusläuten hört und anfängt, den Engel des Herrn zu beten, der wird leicht verstehen, was ein Theologe im letzten Jahrhundert gemeint hat als er formulierte, dass „Unterbrechung" die kürzeste Definition von Religion sei.

Bernhard Riedl

Urlaubsgebete

 

Herr, die Koffer sind gepackt, Gas und Wasser abgestellt,

alle Fenster  zu, und der Schlüssel steckt schon außen im Schloss.

Wir lassen unseren Alltag hier zurück und machen uns auf den Weg:

Dazu segne uns!

 

Viel haben wir uns vorgenommen für den Urlaub:

Dass wir uns Zeit lassen und Zeit nehmen,

die kostbaren Tage zu genießen,

dabei weniger der Uhr trauen als unserem Gefühl:

essen, wenn wir hungrig sind, trinken, wenn der Durst kommt,

schlafen, wenn die Augen schwer werden:

Dazu segne uns!

 

Öffne, Herr, unsere Sinne für all das Schöne,

das zu entdecken ist,

dass wir staunen über deine Schöpfung

in Wald und Flur, in Stadt und Land.

Dass wir ruhig werden und still

und dich finden zwischen Himmel und Erde

und bei den Menschen, denen wir begegnen:

Dazu segne uns!

Amen.

 

Bernhard Riedl

 

 

Herr, wir haben Grund zu danken.

Gesund und wohlbehalten sind wir zurück aus den Ferien.

Wir sind vielen Menschen begegnet.

Manch tiefes Gespräch haben wir geführt.

Aber vor allem haben wir gelacht und manchmal gesungen.

Gewandert sind wir durch Deine Natur und eingekehrt.

Wir hatten Zeit für uns.

Und endlich hatten wir auch

Zeit für Dich.

Wir sind Dir begegnet.

Gott sei Dank.

Das machte unsere Seelen licht

und wach unseren Geist.

Unsere Herzen brannten.

Dafür danken wir Dir und bitten:

Herr, bleibe bei uns,

wenn wir nun mit neuer Kraft zurückkehren

zu den alltäglichen Wegen, Freuden und Pflichten.

Amen.

 

Bernhard Riedl

 

 

Herr!
Du hast die Welt und alle Zeit der Welt geschaffen.

Ich danke Dir dafür und bitte Dich für meinen Urlaub:

Öffne mir die Augen

für alles, wofür ich im Alltagstrott blind bin.
Öffne mir die Ohren,

damit ich still werde und Dich hören kann.

Öffne mir die Nase

für den Duft Deiner Schöpfung.

Öffne mir Hände und Arme

für alle, die Du meine Wege kreuzen lässt.

Öffne mir das Herz,

damit ich weit über mich hinausblicken kann.
Öffne mir den Mund,
um Dir zu danken und Dich zu preisen.

Amen.

 

Bernhard Riedl

 

 

Herr,

du hast mich in die Weite geführt,

du hast mir Ruhe geschenkt

und kleine Fluchten aus dem Alltag.

 

Zeit hast du mir gegeben für Begegnungen

und Entdeckungen - im Museum und auf dem Marktplatz,

in Kirchen, beim Wandern und im Konzertsaal.

 

Du hast mir Menschen geschickt und

Gespräche geschenkt, fröhliche und nachdenkliche,

verständnisvolle und ausgelassene.

 

Du hast mich erquickt im Wasser

und mir frischen Wind um die Nase geblasen

auf meinen Wegen durch deine Schöpfung.

 

Kraft hast du mich schöpfen lassen

für Leib und Seele,

Lob und Preis sei dir dafür.

Amen.

 

Bernhard Riedl