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Erftkreis Brühl-Badorf

KircheBrühl-Birkhof

Mater Dolorosa.
Das "Berger Bildchen", eine Baumscheibe mit dem Kreuzeszeichen ist in den Wirren der Zeit verlorengegangen.

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Am Birkhof 1,
50321 Brühl

Foto 1
Marienkapelle Brühl-Birkhof
Foto: Dr. Jakob Schlafke

Am 4. Mai 1980 wurde die Kapelle der Schmerzhaften Mutter, die durch den Bau der Autobahnabzweigung von der B51 Brühl-Weilerswist längere Zeit nicht mehr zugänglich gewesen war und renoviert werden mußte, feierlich eingeweiht. Die Kapelle war besonders in den Jahren des 2. Weltkrieges und nachher Ziel der nächtlichen Männerwallfahrt vor dem Passionssonntag gewesen. Sie wurde aber auch das ganze Jahr über von Einzelnen und Gruppen gerne zu Gebet und Betrachtung aufgesucht. Aus diesem Anlaß schrieb der Heimatkundler Jacob Sonntag in der Kölnischen Rundschau vom 30. 4. 1980 den folgenden Bericht:
„Zu den besonderen Eigenarten Brühls gehört es, daß es in seinem Bereich eine eigene Wallfahrtsstätte hat, zu der seit Menschengedenken nicht nur die Brühler, sondern die Menschen des mittleren Vorgebirges pilgern, um zum stillen Gebet Einkehr zu halten. Die alten Brühler nannten sie „et Berger Bildchen“ und tatsächlich war auch dort oben auf dem Schnorrenberg, wo sich nun seit rund 75 Jahren das Backsteinkapellchen in den neugotischen Stilformen befindet, nur ein unscheinbarer Bildstock, der Rest einer Kapelle, zu dem die stillen Beter ihre Sorgen und Anliegen hinauftrugen. Es waren Überreste eines Kapellchens, das dort oben Vor rund 250 Jahren entstanden war und auch nach seinem Abbruch im Andenken der Bevölkerung etwas von der Wunderkraft, der es seine Erbauung verdankte, behalten hatte. Wie war das doch damals, vor zweihundertfünfzig Jahren, als Clemens-August seit 1723 als Kurfürst regierte und 1725 mit dem Bau des Brühler Schlosses begonnen hatte? Im Jahre 1732, und zwar am 16. Juli, war Clemens August in Mergentheim zum Hochmeister des Deutschen Ritterordens gewählt worden. Er war damit der 52. Hochmeister dieses in den Kreuzzügen entstandenen und im ganzen Reich hochangesehenen Ordens, und das Deutschordenskreuz, das Clemens August nach seiner Inthronisation am 17. Juli 1732 in sein offizielles Wappen aufnahm, wurde bald im ganzen Kurstaat bekannt und populär. Und nun geschah das Wunder“! Im Januar 1733 glaubten Waldarbeiter, die im kurfürstlichen Forst auf dem Schnorrenberg Bäume fällten, in der Maserung einer Buche die Umrisse des Deutschordenskreuzes zu erkennen. Das wurde dem Kurfürsten gemeldet und eine Scheibe dieses mirakulösen Baumstammes wurde sichergestellt. Clemens August war über dieses „Wunder“ hocherfreut und ordnete an, daß dort oben auf dem Schnorrenberg eine Kapelle zu Ehren des Hl. Kreuzes erbaut werden solle. Und so finden wir denn schon in der Mitte des Jahres 1733 die ersten Hinweise in den Akten der Bonner Hofkammer über den Bau der Kreuzkapelle. Es war offenbar ein einfacher, eingeschossiger Bau mit einem steilen Dach und kleinen Türmchen. Dieser Kapelle wurde schon 1735 ein weiterer Bau, eine Eremitage, angefügt, ein zweigeschossiger Bau, der rechtwinklig an den Chor der Kapelle angebaut wurde. Die Arbeiten an Kapelle und Eremitage zogen sich bis 1744 hin. In den Anlagen vor der Eremitage ließ Clemens August dann jene wahrscheinlich aus der Werkstatt der Brüder Asam in München stammende Kreuzesgruppe aufstellen, die jetzt auf dem alten Friedhof an der Mühlenstraße steht. Die Kapelle unterstellte Clemens August dem Pingsdorfer Pastor und zur Betreuung der Eremitage, in die er sich selbst hin und wieder zurückzog, berief er einen Laienbruder des Brühler Klosters. Nach Clemens Augusts Tod im Februar 1761 hörten die Tage der Eremitage auf. Das Brühler Kloster zog Pater und Laienbruder zurück, und die Nachfolger des Kurfürsten zeigten an Kapelle und Eremitage wenig Interesse. Die Anlagen verfielen, und der Brühler Pfarrer Heinrich Gareis erbat sich von der Bonner Hofkammer die in den ungepflegten Anlagen auf dem Schnorrenberg stehende Kreuzesgruppe zur Aufstellung auf dem Brühler Friedhof. Nachdem dann schließlich nach dem Einmarsch der Franzosen der Kurstaat sein Ende gefunden hatte, wurde die Kapelle abgerissen und die Eremitage eine Förster-Dienstwohnung. Aber ein Bildstock war stehengeblieben, und zu ihm pilgerten die Leute der benachbarten Dörfer. Als „Berger Bildchen“ war es im ganzen Vorgebirge bekannt. Als dann um 1890 auch auf dem Schnorrenberg nach Braunkohle geschürt wurde und die Tagebaue Berggeist und Lukretia sich in den Villewald hineinfraßen, gingen um 1900 auch die zur Försterei gewordene Eremitage und das „Berger-Bildchen“ zugrunde. Aber die Braunkohle baute als Ersatz um 1906/07 die heutige, neugotische Backsteinkapelle, in der eine künstlerisch unbedeutende Muttergottesfigur Aufstellung fand, denn die in der untergangenen Kreuzkapelle einmal aufbewahrte und verehrte Baumscheibe mit dem Kreuzeszeichen in der Maserung war in den Wirren der Zeit verlorengegangen.“ Wenn durch die gefährliche Verkehrslage die nächtlichen Bußwallfahrten auch nicht wiederaufgenommen werden konnten, so begegnet man dort zu jeder Zeit einzelnen Betern. Das von dem Brühler Chefarzt Dr. Dahm gestiftete Glöckchen ruft morgens, mittags und abends Pilger und Wanderer zum Gebet.

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