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KircheWalldürn - Heilig Blut

Heilig Blut.
Wallfahrtskirche Walldürn

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Burgstraße,
74731 Walldürn

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Wallfahrtsbasilika St. Georg
Foto: Dr. Jakob Schlafke

Am 14. April 1932 bat Pfarrer Ernst Schmitz von Porz-Urbach das Kölner Generalvikariat um die Erlaubnis, in Urbach als dem Ausgangs- und Mittelpunkt eine Bruderschaft vom kostbaren Blute Jesu Christi zu gründen, und sie zur Gewinnung der Ablässe der Erzbruderschaft zum heiligen Nikolaus im tullischen Kerker in Rom anzuschließen. In der Urbacher Pfarrkirche sollte der rechte Seitenaltar als privilegierter Bruderschaftsaltar errichtet werden. Er wollte damit der geschichtlich bedeutsamen Wallfahrt nach Walldürn und der Verehrung des kostbaren Blutes in seiner Pfarrei eine besondere Weihe geben. Erzbischof Kardinal Schulte entsprach dem Antrag am 9. Mai 1932. Generalvikar Dr. Emmerich David genehmigte am gleichen Tage die im Pfarrarchiv St. Bartholomäus zu Urbach aufbewahrte Satzungsurkunde. Zweck der Bruderschaft sollte die besondere Verehrung des kostbaren Blutes Jesu Christi sein um dadurch die Früchte der Erlösung den Mitgliedern, den Mitmenschen und den abgeschiedenen Seelen im Fegfeuer zu erflehen (§ 2). Die Mitglieder sollten nach Möglichkeit ab und zu eine Anbetungsstunde vor dem Allerheiligsten Altarssakramente halten, um die Jesus Christus zugefügten Unbilden Schmähungen und Lästerungen zu sühnen, um für die Wiedervereinigung im Glauben und für gute Priester zu beten, den Sündern die Bekehrung und den abgeschiedenen Seelen im Fegefeuer die baldige Erlösung zu erflehen, sowie um Abwendung der Arbeitslosigkeit und um die Wohlfahrt unseres Vaterlandes zu beten und sich selbst der vielen Gnaden und Ablässe teilhaftig zu machen, die durch die Mitgliedschaft der Bruderschaft erlangt werden (§ 5). Weiter heißt es; Zur Zeit der Walldürner Pilgerfahrt (vom Freitag nach Pfingsten bis Samstag nach Fronleichnam) mögen sich alle Mitglieder mit den Teilnehmern der Prozession im Geiste der Buße und des Gebetes vereinigen zur Verehrung des kostbaren Blutes (§ 7). Um den Teilnehmern an der Walldürnprozession die Teilnahme an der Fronleichnamsprozession in der Pfarrkirche zu ermöglichen, wurde der Tag des Auszugs schon 1933 vom Freitag nach Pfingsten auf den Dienstag vorverlegt. Am 10. Juli 1932 begann in Porz- Urbach die besondere Verehrung des kostbaren Blutes. Schon am ersten Tag ließen sich 472 Gläubige in die Bruderschaft aufnehmen. Am 28. August 1932 wurde in Troisdorf eine Bruderschafts-Ortsgruppe für Troisdorf, Menden und Oberlar gegründet. Die Zahl der Mitglieder stieg bis 1934 auf über 2000. Eine neue Ortsgruppe in Siegburg zählte 600, in Spich 300 Mitglieder. An der Fußwallfahrt 1935 beteiligten sich 211, an der 1937 141 Pilger. 1939 zog Pfarrer Ernst Schmitz mit 60 Fußpilgern von Urbach aus. Die Zahl vermehrte sich unterwegs auf 450, von denen eine Reihe mit Eisenbahn oder Bus angereist waren. Auch während des Zweiten Weltkrieges wurde die Wallfahrt nicht unterbrochen. Über die Form der Wallfahrt gibt der Bericht des Jahres 1962 folgende Schilderung: „Betend und singend gehen wir durch die Lande… Das hl. Meßopfer, in früher Morgenstunde um 5 oder 6 Uhr von dem geistlichen Führer der Wallfahrer in einer Dorfkirche dargebracht, vereint alle Pilger am Tisch des Herrn. Meistens geht es dann ohne Frühstück auf die Reise … Mit dem Lied ,Alles meinem Gott zu Ehren‘ beginnt das Pilgern. Mancher Rosenkranz wird tagsüber gebetet. Im ersten rufen wir den Hl. Geist an, im zweiten bitten wir die Schutzengel um Beistand. Außer den üblichen Rosenkränzen beten wir noch den Rosenkranz ,Sei gegrüßt, o heiliges Blut“. Die allgemeinen Fürbitten wechseln mit frommen Gesängen dazwischen ab. In fast allen am Wege liegenden katholischen Kirchen wird zu einer kurzen Andacht Einkehr gehalten, wobei der geistliche Führer in einem Gotteshaus eine dem Anliegen des Tages geltende Predigt hält. Die Gesundheit der Pilger erfordert jedoch ausreichende Pausen. Mittagessen und eine Stärkung am Nachmittag muß sein. Alles ist in einem festen Plan vorgesehen und wird bei Privatleuten oder in Gaststätten gehalten.“ Für jeden einzelnen Prozessionstag gibt es eine besondere Gebetsmeinung. Diese waren bis 1971:
1. In den Anliegen des Hl. Vaters;
2. Um Abwendung der Gottlosigkeit und Sittenverderbnis;
3. Um Frieden und Freiheit für unsere hl. Kirche;
4. Um Wiedervereinigung im Glauben;
5. Um Priester und Ordensberufe;
6. (Am Dreifaltigkeitssonntag) Für christliche Familien und Schulen;
7. Um den allgemeinen Frieden.

1971 wurden diese Anliegen neu gefaßt:
1. In den Anliegen des hl. Vaters;
2. Um Festigung im Glauben;
3. Um soziale Gerechtigkeit in der Welt;
4. Um die Wiedervereinigung aller Christen;
5. Um Priester und Ordensberufe;
6. Um christliche Familien und Erziehung;
7. Um den allgemeinen Frieden.

Dabei wird täglich durchschnittlich ein Weg von 40 und am letzten Tag von 50 km zurückgelegt. Zeiten und Pausen werden genau eingehalten. Das Jahr 1973 wurde als Jubiläumsjahr der 300. Wallfahrt besonders feierlich begangen. Am 1. Juli zog die Prozession mit 161 Fußpilgern und vielen anderen, die mit Bahn, Bus oder Auto kamen, nach Walldürn. Das Jubiläum der 300. Wallfahrt stellt uns vor die Frage ihrer Geschichte.

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Das Heiligblutwunder in Walldürn geht auf das Jahr 1330 zurück. Damals soll der Priester Heinrich Otto während der heiligen Messe den Kelch mit dem heiligen Blut umgestoßen haben. Das Korporale habe darauf in blutroter Farbe das Bild Christi wiedergegeben. Um dieses Korporale bildete sich dann die Wallfahrt, die besonders in der Zeit nach 1600 viele Pilger und Prozessionen nach Walldürn führte. Das Jahr der ersten Kölner Wallfahrt steht nicht eindeutig fest. Nach alter Tadition gilt das Jahr 1615 als Beginn. Das Pfarrarchiv der Kirche St. Bartholomäus zu Porz-Urbach bewahrt einen Brief des Brudermeisters Adam Koch vom 4. Mai 1842, in dem der Kölner Erzbischof schrieb: „Eine Prozession von Urbach nach Walldürn binnen der Fronleichnamsoktav besteht über dreihundert Jahre. Hundert Jahre ging sie von Köln aus. Durch Kriege und Sperrung des Rheines ist sie nach Urbach verlegt worden, von wo sie zweihundert Jahre ausgegangen ist. Sie führt den Namen, besonders im Oberlande, die „Kölnische Prozession“ und man erzeigt ihr alle Hochachtung. Sie wurde eine zeitlang durch Verbot unterbrochen.“ Über die Geschichte der Wallfahrt berichtet das „Wallfahrtsbüchlein“ von 1857: „Als am Anfang des 17. Jahrhunderts die Walldürn-Wallfahrt immer größeren Aufschwung nahm, zog auch die Stadt Köln um das Jahr 1615 mit einer Prozession, und zwar aus der Peterskirche, nach Walldürn.“ Aus weiteren Quellen, die aber alle aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammen und auf eine mündliche Überlieferung zurückgehen, ergibt sich, daß die Prozession 1615 zum ersten Mal aus der St. Peters- Kirche in Köln auszog. Durch den Dreißigjährigen Krieg wurde sie unterbrochen, später in Köln durch wallfahrtsfeindliche Behörden behindert oder verboten. Beherzte Männer, die sich wohl noch an ein der Wallfahrt zugrunde liegendes Gelübde erinnerten, führten sie weiter von dem nicht unter Jurisdiktion des Kölner Erzbischofs stehenden, auf der rechten Rheinseite gelegenen Urbach. So erklärt sich, daß Pfarrer Ernst Schmitz erst 1948 das 300jährige Bestehen der Wallfahrt von Urbach feierte und die neue Bruderschaft den 300. Jahrestag erst 1973 beging. Daß die Urbacher Walldürn-Prozession ihre Bedeutung auch in den letzten Jahrzehnten, trotz Krieg und Nachkriegszeit, behalten hat, ist nicht nur das Verdienst ihrer tatkräftigen Pfarrer Ernst Schmitz (1930- 1958), Bertram Spilles (1958-1970) und seines Nachfolgers Clemens Feldhoff, sondern auch das der traditionsbewußten Brudermeister und deren Helfer.

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