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Erftkreis Gymnich

KircheSt. Kunibert Gymnicher Ritt

Heilig Kreuz.
Von Riten, Rittern und Reliquien

Kontakt
Gymnicher Hauptstraße 1,
50374 Erftstadt
Telefon: 02235 5328
kunibert[æt]rotbach-erftaue.de

Öffnungszeiten des Pfarrbüros
Dienstag von 13 bis 16 Uhr
Mittwoch von 13 bis 18 Uhr
Freitag von 9 bis 13 Uhr

Foto 1
Gymnicher Ritt
Foto: Frank Axer

Die Kirche St. Kunibert in Erftstadt-Gymnich, rund 20 Kilometer entfernt von Köln, ist reich an Geschichte und Geschichten und an einem Tag im Jahr Ziel hunderter Pilger – auch zu Pferd.

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St. Kunibert
Foto: Frank Axer

Wer bereits von Weitem den Turm von St. Kunibert sieht, vermutet sich wahrscheinlich irgendwo im tiefsten Allgäu, so typisch bayrisch ist die Spitze der Kirche im Herzen Gymnichs gestaltet. „Wenn ich früher als Kind aus dem Urlaub kam und sah den Zwiebelturm, dann ging mir das Herz auf und ich wusste, gleich bin ich zu Hause“, erzählt Frank Axer. Er ist in Gymnich groß geworden und hat den Ort bis heute nicht verlassen. Als Mitglied im Ortsausschuss des Pfarrgemeinderats des Seelsorgebereichs Rotbach-Erftaue und früherer Katechet hat er zu seiner Kirche eine innige Beziehung. „Ich war hier schon in meiner Jugend aktiv und habe viele besondere Momente hier drin erlebt“, erinnert er sich, während wir noch auf dem Kirchvorplatz stehen. „Ich spüre wirklich das Göttliche in dieser Kirche, vor allem, wenn ich dort alleine bin. Ich finde dann Gott in der Ruhe und glaube ihn manchmal sogar zu hören.“
Als wir die Kirche durch die bronzene Eingangstür, die auf ihrem linken Teil das Göttliche und Gute und rechts das Teuflische und Böse in verschiedenen Darstellungen zeigt, betreten, hören wir allerdings etwas anderes: Musik. Meditative Instrumentalstücke laufen in St. Kunibert in einer Dauerschleife und sorgen für eine besondere, spirituelle Stimmung in dieser Barock-Kirche, die romanische und gotische Vorgänger hatte, aber immer schon dem heiligen Kunibert geweiht war. Direkt im Eingangsbereich laufe ich fast gegen das steinerne Taufbecken aus dem 16. Jahrhundert und werde von einer Kunibert-Darstellung einen halben Meter über mir empfangen. Aber auch viele weitere Heilige, wie Jakobus, Rochus, Brigida und Nikolaus werden in dieser eher kleinen Kirche dargestellt und verehrt.
Der kunstvoll geschnitzte Ambo fällt besonders auf. Vom früheren Pfarrer und Künstler Jan Kreyes geschaffen, zeigt er die Symbole der vier Evangelisten, den Engel für Matthäus, den Löwen für Markus, den Adler, der Johannes symbolisiert sowie den Stier für den Evangelisten Lukas. Rechts dahinter wird in einem der Buntglasfenster Maria als Kind gezeigt, zu Füßen ihrer Mutter Anna – eine ungewöhnliche Darstellung der Gottesmutter, aber schön.
St. Kunibert ist reich an Darstellungen, gemalt, geschnitzt oder gemeißelt – zu sehen sowohl am Hochaltar, der aus einem früheren Augustiner-Kloster in Eitorf-Merten stammt, als auch an der Kanzel und den Seitenaltären. Dort sind auch der heilige Sebastian und noch einmal Kunibert zu sehen, eine Reminiszenz an das Ereignis, das Gymnich seit fast 800 Jahren am Christi Himmelfahrts-Tag begeht und den kleinen Ort bekannt gemacht hat. Der „Gymnicher Ritt“, maßgeblich organisiert von der St. Sebastianus Bruderschaft und der St. Kunibert Schützengesellschaft, ist eine der größten Reiterprozessionen bundesweit und in St. Kunibert ausführlich im unteren Teil der Kirchenfenster des Langhauses dargestellt. Im Schnitt nehmen 250 Reiter, 600 Fußpilger und 50 Pilger in Kutschen daran teil. Die Tradition des Ritts geht auf eine alte Sage zurück.

Foto 3
Kreuz mit Kreuzpartikel
Foto: Frank Axer

Während des ersten Kreuzzuges geriet Ritter Arnold I. von Gymnich auf der Flucht vor syrischen Truppen im Nil-Delta in einen Sumpf und drohte mitsamt Pferd zu versinken. Als seine Lage nahezu aussichtslos war, sprach er zu Gott: "Wenn Du, o Herr, mich rettest aus dieser großen Not, dann will ich hoch zu Ross mit allen meinen Mannen jedes Jahr am Feste Christi Himmelfahrt eine Prozession über die Fluren meines Heimatdorfes Gymnich halten, und meine Nachfahren sollen es so halten und tun bis in fernste Zeiten!" In dem Moment flog ein Schilfhuhn auf und das Pferd erschreckte sich derart, dass es mit einem riesigen Satz aus dem Sumpf sprang und festen Boden erreichte. Zurück in Gymnich erinnerte sich Ritter Arnold an sein Gelübde und bereits im Jahr 1227 fand der erste Gymnicher Ritt statt.
Ein weiterer Ritter, Johann von Gymnich, brachte rund 200 Jahre später ein winziges Stück Holz vom Kreuz Jesu aus dem Heiligen Land mit. Dieses Kreuzpartikel, mittlerweile in ein Messingkreuz eingearbeitet, geht jedes Jahr mit beim Gymnicher Ritt und wird feierlich in der zwölf Kilometer langen Prozession von der Geistlichkeit getragen. Aufbewahrt wird es das Jahr über im Generalvikariat in Köln. Eine Reliquie liegt dagegen das ganze Jahr über in der Kirche St. Kunibert, gut geschützt im Tresor der Sakristei – ein Knochen des heiligen Kunibert, der nur zu den Patronatsfesten der Kirche und der St. Kunibert Schützengesellschaft feierlich präsentiert wird. Dass es (noch) keine Pilgertradition zu dieser Reliquie gibt, mag verwundern. „Aber das kann ja noch kommen“, sagt Frank Axer und schwärmt, „ein Pilgerausflug in unseren Ort und unsere Kirche lohnt sich immer, nicht nur an Christi Himmelfahrt.“

St. Kunibert
Die wichtigsten Zahlen und Fakten

Von 1759 (Grundsteinlegung: 26. Juni) bis 1763 wird St.-Kunibert im barocken Stil erbaut. In historischen Quellen wird aber bereits 1255 eine Kirche in gotischem Stil an demselben Platz erwähnt.

1762 werden die Glocken aufgehängt, aber erst 1771 geweiht.

Von 1785 bis 1786: Aufstockung des Chors.

Die vorhandenen barocken Seitenaltäre und die Kanzel stammen aus der früheren Kölner Stiftskirche „St. Maria ad gradus", die unweit des Domes am Platz der heutigen Philharmonie stand.

1962 wird der Hauptaltar aus der Kirche des 1803 aufgehobenen Augustinerinnenklosters in Eitorf-Merten nach Gymnich gebracht und in St. Kunibert aufgestellt.

Auf dem Torbogen des Hauptaltars befindet sich die Statue des hl. Kunibert (1680). Die Pieta stammt von 1600, die Marien- und Michaelsglocke aus dem Jahre 1447. Die Statue des heiligen Kunibert in der südlichen Turmhalle ist aus dem Jahr 1480 und der Taufstein von 1559.

1926 stellte der Schlossherr des Gymnicher Schlosses, das später als Gästehaus der Bundesregierung bekannt geworden ist, Vicomte Franz de Maistre, einen Teil seines Besitzes der Kirche zur Verfügung, um mehr Platz für den Gymnicher Ritt zu schaffen. Auf dem jetzigen Rittplatz wurde 1953 der Rittaltar nach einem Entwurf des Architekten Walter Büchel errichtet.

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