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KircheMünsterbasilika St. Martin

Hl. Cassius und Florentinus.
Das Bonner Münster birgt die Gräber der Stadtpatrone von Bonn, Cassius und Florentinus

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Münsterplatz,
53111 Bonn
0228 985880

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Bonn, Münster St. Martin
Foto: Dr. Jakob Schlafke

Unter den Kirchen der Erzdiözese Köln beanspruchte das Bonner Münster die zweite Stelle. In der alten Rangordnung folgte auf den Dom in Köln der Viktors-Dom in Xanten, dann das Bonner Münster und an vierter Stelle St. Gereon in Köln. Die Legende berichtet, daß Cassius und Florentius mit ihren Soldatengefährten der thebäischen Legion in der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian wegen ihres Glaubens den Märtyrertod erlitten hätten und in Bonn begraben worden seien. Später habe die Kaiserin Helena bei ihren Gräbern eine Kirche errichtet. Durch die archäologischen Untersuchungen der Jahre 1928-1930 wurde der wahre Kern der alten Legende als gesichert nachgewiesen Neben den römischen Steinsarkophagen, die durch das ganze Mittelalter hindurch als Grab der Märtyrer verehrt wurden, legten die Ausgrabungen eine Totenkultstätte frei, an der man sich zum Totenmahl versammelte. Diese erste Kultstätte wurde am Ende des 4. Jahrhunderts zerstört und durch eine Saalkirche von 13,70 x 8,80 m Größe ersetzt. In ihrer Mitte lag die „cella memoriae“. Bei der Erneuerung und Erweiterung dieses Kirchenraumes im 8. Jahrhundert fanden sich auch Überreste von Wohngebäuden für die Geistlichen, die die Pilger an den Märtyrergräbern betreuten. Eine Schenkungsurkunde vom 28. Juli 691 bezeugt, daß bei den Märtyrergräbern eine Priestergemeinschaft unter Leitung eines „abbas“ bestand. Eine weitere vom 17. März 804 nennt ausdrücklich „Kleriker, die Tag und Nacht bei der Kirche des Cassius und Florentius einen Dienst Versehen“. Die karolingische Saalkirche wurde im ll. Jahrhundert durch einen Neubau ersetzt, der in seiner Ausführung dem heutigen Münster fast entsprach. Dieser romanische Neubau hatte nicht mehr das historische Märtyrergrab, das vom 4. bis 11. Jahrhundert Zentrum der Verehrung gewesen war, als Richtpunkt. Theodor Klauser schreibt in seiner Festschrift zum 50. Priesterjubiläum des Münsterpfarrers Johannes Hinsenkamp 1947 (S. 38f.), das bisherige Heiligengrab, über dessen Verehrung in den vorausgegangenen Jahrhunderten wir wohl unterrichtet sind, sei aus technischen Gründen als Richtpunkt für den neuen großräumigen Bau ungeeignet gewesen. Deshalb seien die Überreste der Heiligen in drei wohlerhaltene, monumentale Steinsärge neben der alten Totenkultanlage transferiert und die neue Kirche um die drei neuen Steinsärge herumgebaut worden. Das alte Erzbistum Köln war in vier Verwaltungsbezirke eingeteilt an deren Spitze ein Archidiakon stand, der in seinem Bereich Visitationen durchführen und Pfarrerstellen übertragen konnte. Der Propst am Cassiusstift war Archidiakon für den gesamten südlichen Teil des Erzbistums. Eine der hervorragendsten Persönlichkeiten in diesem Amt war Gerhard von Are (1124-1169), einer der großen Bauherren am Münster. Ihm bestätigte Papst Eugen III. die Vorrangstellung der Bonner Pröpste vor den übrigen Archidiakonen nach dem Kölner Dompropst. Zu seiner Zeit wurden die Gebeine der Märtyrer am 2. Mai 1166 unter großer Anteilnahme von Klerus und Volk erhoben und in kostbaren Schreinen auf dem Hochaltar ausgestellt. Die Kölner Königschronik berichtet in diesem Zusammenhang, daß bei der Erhebung unverkennbar eingetrocknetes Blut der Märtyrer gefunden worden sei. Auch heute noch wird bei den Reliquien eine römische Blutampulle aus Glas aufbewahrt. Die Schreine sind leider nicht mehr erhalten. Im Truchseßschen Krieg wurden sie 1587 zerstört und wie alles Gold aus Bonner Kirchen umgeprägt, um die Truppen zu bezahlen. In einer Schadensliste der Zeit sind die Reliquienschreine kurz beschrieben: Der der hl. Helena war aus Silber vergoldet und mit kostbaren Gemmen und Edelsteinen besetzt; der des hl. Cassius war aus purem Gold und auch mit Preziosen verziert; zwei weitere Schreine waren aus Kupferplatten gefertigt und kunstvoll bearbeitet. Alle Schreine seien fast menschenlang gewesen. In diesen Jahren wurden nicht nur die Schreine geplündert, sondern auch die Reliquien zerstreut und vernichtet. Es heißt, die Soldaten hätten die Gebeine der Märtyrer durch das Hochchor zerstreut, die Altäre zertrümmert, das gotische Sakramentshaus, das Chorgestühl und die Glasfenster zerschlagen, die Bibliothek und das Archiv vernichtet. Die Kanoniker sammelten die Gebeine der Stiftspatrone in Holztruhen und stellten sie wieder auf den Choraltar. Im Oktober 1972 wurden sie in einen würdigen Schrein umgebettet. Dabei gibt es nur selten einen so lückenlosen Identitätsnachweis wie bei den Bonner Märtyrern. Nach Mitteilung des langjährigen Pfarrers am Bonner Münster, Weihbischof Jansen, lassen zwei der vier Schädel Spuren eines gewaltsamen Todes erkennen. Der Magistrat der Stadt Bonn ehrte, wie aus den Stiftsprotokollen von 1595 hervorgeht, damals bereits „nach altem Brauch“ die Märtyrer durch ein Kerzenopfer. Diese Tradition wird auch heute noch fortgeführt. Die Bedeutung des Bonner Münsters im Mittelalter zeigt auch die Feier von zwei Königskrönungen: Am 25. November 1314 empfing Friedrich der Schöne aus dem Haus Habsburg die Krone durch Erzbischof Heinrich von Virneburg, und am 26. November 1346 krönte Erzbischof Walram von Jülich den Luxemburger Karl IV, der in Prag residierte und einer der bedeutendsten deutschen Herrscher des Mittelalters war. In der Reformationszeit wurde das Bonner Münster zum Mittelpunkt der Auseinandersetzungen im Rheinland. Die zur Reformation übergetretenen Erzbischof Hermann von Wied, Johann Krupper, Martin Bucer, Melanchton und andere wirkten in Bonn, bis Erzbischof Adolf von Schaumburg eine geistige Erneuerung im Namen der alten Lehre herbeiführte. Am 7. November 1557 predigte Petrus Canisius, den man den zweiten Apostel Deutschlands nennt, im Münster. Durch die kriegerischen Auseinandersetzungen des 16. Jahrhunderts wurde das Münster stark beschädigt und außerdem 1590 von Blitz und Ungewitter heimgesucht. 100 Jahre später, am 6. August 1689, wurde im Verlauf des sogenannten Pfälzischen Krieges der Vierungsturm in Brand gesetzt. Die Glocken schmolzen, die Orgel wurde vernichtet. Vor dem Einmarsch der Franzosen 1794 war alles wiederhergestellt. 1802 aber fiel auch das Cassiusstift der Säkularisation zum Opfer. Die Pfarrechte der Kirche St. Martin übertrug man auf das Bonner Münster. Im letzten Krieg wurde die Kirche schwer getroffen, doch in den folgenden Jahren wiederhergestellt. 1972 fand eine Prüfung der Reliquien statt, deren Echtheit durch einen lückenlosen Identitätsnachweis gesichert ist. Nach altem Brauch wird dreimal im Jahr das Fest der Patrone des Münsters gefeiert: am 2. Mai das Fest der Erhebung der Gebeine, am 13. September die Auffindung der Märtyrer durch die hl. Helena und am 10. Oktober das Hauptfest der Kirchenpatrone.

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Bonn, Münster St. Martin Chorraum
Foto: Dr. Jakob Schlafke

Am 14. Januar 1956 erhob Papst Pius XII. das Münster zur Ehre einer „Basilica minor“. Damit wurde die große Geschichte ebenso ausgezeichnet wie die Stellung als Hauptkirche der Bundeshauptstadt, in der alljährlich viele feierliche Gottesdienste mit internationaler Beteiligung stattfinden. Während des II. Vatikanischen Konzils waren mehrere hundert Bischöfe als Gäste in Bonn. Feierliche Konzelebrationen von Bischöfen aller Hautfarben waren keine Seltenheit. Nur selten ist es möglich, einen Überblick über die Entfaltung des liturgischen Lebens einer Kirche zu gewinnen. Franz Josef Peters, Ordinarius in der Theologischen Fakultät in Bonn, hat 1952 zu seinem Goldenen Priesterjubiläum als Dank an die Pfarre, in der er von Geburt an gelebt hat, eine Arbeit über die liturgischen Feiern des St.-Cassius-Stiftes geschrieben. Wir erfahren da über die Gestaltung der Feste in Geschichte und Gegenwart, über die Sonntagsprozessionen, Stationsfeiern und Sakramentsprozessionen, wie das kirchliche Leben sich nicht nur auf den Kirchenraum beschränkte, sondern auch die anderen Kirchen und die ganze Stadt einbezog. Man fühlt sich erinnert an die Stationsgottesdienste in Rom, bei denen der Papst mit den Gläubigen der ganzen Stadt in wechselnden Kirchen die Liturgie feiert. Das alte Element der Wallfahrt kommt hier zum Ausdruck. Die Kirche erlebt sich als pilgerndes Gottesvolk, wenn auch der Pilgerweg sich auf die Grenzen der Stadt beschränkte. Wir lesen da als Stationen der Bittgänge die Namen Dietkirchen, Lengsdorf, den Kreuzberg, Rheindorf und manche andere. F J. Peters erinnert in dem Zusammenhang daran, daß auch in Köln noch im späten Mittelalter an besonderen Tagen die Umgänge um die alte Römermauer gemacht wurden. In der Festschrift für Johannes Hinsenkamp (1947) hat Th. A. Henseler in seinem Beitrag „Bilder und Episoden aus der Musikgeschichte des Bonner Cassiusstifts“ interessante Bemerkungen zu einigen Prozessionsbüchern aus der Zeit um 1759 überliefert. Sie gewähren Einblick in das reiche liturgische Leben des Stifts mit seinen zahlreichen Prozessionen innerhalb und außerhalb der Immunität.

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