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Rheinschiene Beuel-Pützchen

KircheSt. Adelheid

Hl. Adelheid.
In Beuel wird die hl. Adelheid besonders bei Augenleiden (Wasser aus dem sog. Pützchen) angerufen. Ihr Fest wird am 5. Februar begangen.

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Montag, Donnerstag und Freitag von 9.00 bis 12.00 Uhr und
Mittwoch von 14.00 bis 17.00 Uhr
dienstags geschlossen!

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Pützchen, Pfarrkirche St. Adelheid
Foto: Dr. Jakob Schlafke

In Beuel wird die hl. Adelheid besonders bei Augenleiden (Wasser aus dem sog. Pützchen) angerufen. Ihr Fest wird am 5. Februar begangen, die Oktav liegt um den 8. September (Mariä Geburt). Der berühmte „Pützchens Markt“, zu dem Besucher aus dem gesamten Rheinland kommen, finden nach diesem Fest statt. Die Großreliquien sind 1944 verbrannt, verblieben sind noch verschiedene Kleinreliquien.

Die Verehrung der hl. Adelheid setzte schon bald nach ihrem Tod zu Beginn des ll. Jahrhunderts ein, die Wallfahrt nach Beuel datiert aus dem 14. Jahrhundert.“

So berichtet das Buch „Wallfahrt im Rheinland“ (1981), S. 126. Über die hl. Adelheid und ihre Verehrung ist unter dem Stichwort Vilich ausführlich geschrieben. Hier sei wiedergegeben, was in dem Buch „1000 Jahre Stift Vilich 978–1978“, S. 94 f. gesagt wird:

Tatsache ist, daß sich seit der Zeit des Dreißigjährigen Krieges die Verehrung von dem Kloster mehr und mehr zum St.-Adelheidis-Brünnchen, zum Pützchen, verlagerte. Zwar gelang es der tatkräftigen Abtissin Amoena Margaretha V. Burdtscheid (1627–1653), das Stiftsgebäude neu zu errichten, die Kirche, besonders das Adelheidischörchen, wiederherzustellen und aus dem Augustinerchorherrn-Kloster in Bödingen die jetzt noch erhaltenen Armreliquien der Heiligen zurückzuerhalten, das Volk aber hatte seine Zuflucht mehr und mehr zum Brünnchen genommen. Hierhin wallfahrtete man, hier wusch man unter Gebet die kranken Glieder, besonders die Augen, und erlangte in vielen Fällen die ersehnte Linderung oder Heilung. Um die Zeit stand dort eine Kapelle. 1669 ließ sich hier der Eremit Wilhelm Bascha nieder, um den kranken Pilgern zu helfen.

1679 kamen die beiden Brüder Wilhelm und Viktor, um hier ihr Leben in den Dienst der Hilfesuchenden zu stellen. Viktor war Soldat auf vielen Kriegsschauplätzen gewesen, hatte es bis zum Oberstleutnant gebracht und wollte nun etwas von den Wunden heilen, die er in seinen wilden Jahren geschlagen hatte. 1681 kam Bruder Henricus Hasert, ein Franziskaner-Tertiar, der zu diesem Dienst eine eigene Bestallung von Köln erhalten hatte. 1679 hatte Abtissin V. Geffertzhan den Priester Wilhelm Flohe zur Betreuung der Wallfahrt eingesetzt, ihm dort ein Haus angewiesen, um an allen Sonntagen zwischen 9 und 10 Uhr und an allen Werktagen die hl. Messe zu feiern, die Beichten der Pilger zu hören, ihnen die hl. Kommunion zu reichen und die übrigen Dienste bei der Kapelle zu Versehen. 1684 ließ Kurfürst Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg den Brunnen neu herrichten. 1688 übertrug er den Karmeliten der Niederdeutschen Ordensprovinz die Seelsorge dort. Sie kamen mit zwölf Ordenspriestern und vier Laienbrüdern. 1706 war das Kloster, 1724 die neue Kirche fertig, die dann ihre reiche Ausstattung von dem Kölner Kurfürst Clemens August erhielt und am 28. September 1760 durch Bischof Josef Franz V. Gondala konsekriert wurde.

In dieser Zeit wuchs die Zahl der Pilger, die einzeln oder in Prozessionen kamen, immer mehr an. Pilgerbüchlein wurden geschaffen, ein Pilgerblatt aus den Jahren 1677/78 wurde weit verbreitet, das die hl. Adelheid inmitten von zwölf Krankenheilungen darstellt. Die von H. Hasert gegründete Skapulierbruderschaft wuchs von Jahr zu Jahr. Von 1688 bis 1698 ließen sich 6.000 Männer und Frauen eintragen. Zwischen 1732 und 1741 waren es in zehn Jahren bereits 25.800. Das ganze Jahr über kamen Pilger, einzeln oder in Gruppen, und beteten in ihren Anliegen, benutzten das Wasser und empfingen die hl. Sakramente. Sehr viele wiederholten ihre Andacht neun Tage lang. Alle gingen getröstet nach Hause, viele geheilt.

Daß alle diese das Bedürfnis hatten, St. Adelheid an ihren Festtagen zu ehren und ihr zu danken, ist nur zu Verständlich. So kamen um Mariä Geburt, dem 8. September, so viele Menschen zusammen, daß Händler aus nah und fern die Möglichkeit sahen, nicht nur Lebensmittel, sondern auch Haushaltswaren, Bekleidung, ja sogar Vieh zum Verkauf anzubieten; auch Schausteller fanden sich in wachsender Zahl ein.

So entwickelte sich Pützchens Markt, der größte rheinische Volksmarkt, der bereits um 1830 über 1000 Buden und mehr als 50.000 Besucher sah, heute aber, nach Angabe der Bonner Polizei, jährlich 800.000 bis 1.000.000 Menschen anzieht. Bei allem weltlichen Treiben und aller Ausgelassenheit kommen auch in diesen Tagen noch viele Menschen, Pfarrer Breideneich schätzte sie auf 50.000, die, ehe sie zum Markt gehen, am Brünnchen, an der Kapelle und in der Kirche beten und so zeigen, daß der Markt nicht das erste ist. Es lohnt sich, in diesen Tagen einmal eine halbe Stunde die Menschen dort zu beobachten. Man wird Erschütterndes aus dem Leben so mancher Krüppel und Bettler und derer, die sich um diese sorgen, erfahren.

Das Volk hat sich die Verehrung seiner hl. Adelheid nie nehmen lassen. Weder der Bildersturm der Reformationszeit noch die Klosterschließung der Franzosenzeit und auch nicht die wallfahrtsfeindliche Haltung der preußischen Regierung im 19. Jahrhundert konnten sie aus den Herzen der Gläubigen Verdrängen. 1827 rettete sogar der Markt die Kirche in Pützchen. Als die preußische Regierung diese abbrechen lassen wollte, um die Unterhaltskosten zu sparen, machte die Gemeinde mit Erfolg geltend, der Markt bringe durchschnittlich 140 Taler Standgeld, und dies sei die Haupteinnahme der Gemeinde. Würde die Kirche abgebrochen, würden die Wallfahrten aufhören und der Markt hätte seine Bedeutung verloren.

Aus der Fülle der Zeugnisse durch ein ganzes Jahrtausend konnten hier nur einige angedeutet werden. Ist die Verehrung der hl. Adelheid nun nur eine pietätvolle geschichtliche Erinnerung oder ist sie lebensstarke Gegenwart?

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Pützchen, St. Adelheidis-Brunnen
Foto: Dr. Jakob Schlafke
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Pützchen St. Adelheid in der Brunnenkapelle
Foto: Dr. Jakob Schlafke

Auch heute kommen noch die Prozessionen, auch heute noch tragen sehr viele Kinder ihren Namen. Wenn sie meistens ihren Namenstag am 16. Dezember und nicht am 5. Februar feiern, so liegt das daran, daß ihr Fest nur in wenigen Kalendern vermerkt war. Aber alle die vielen Adelheiden, Adelen, Heidis, Addis und wie die Form auch lauten mag, sind Zeugen einer durch Generationen lebendigen Verbundenheit ihrer Familien mit Vilich und Pützchen. Der Leiter des Instituts für Geschichtliche Landeskunde der Rheinlande an der Universität Bonn, M. Zender, teilte am 4. Dezember 1957 mit, daß nach dem Ergebnis seiner Rheinischen Fragebogen, die er an jede vierte Gemeinde geschickt hatte, in 55 Orten des Rheinlandes St. Adelheid allein bei Augenleiden besucht und angerufen werde. Die Zahl müßte vervierfacht werden, um ein rechtes Bild zu bekommen.

Als der Prozeß der Bestätigung der Verehrung der hl. Adelheid in Rom lief, haben sich sehr viele Männer und Frauen aus allen Bevölkerungsschichten in Bittschreiben an den Papst gewandt. Eines sei hier herausgegriffen. Konrad Adenauer schrieb am 10. Mai 1962 an Papst Johannes XXIII.: „Mir ist aus meiner Amtszeit als Oberbürgermeister der Stadt Köln und durch meinen heutigen Wohnsitz unmittelbar an der ehemaligen Abteigrenze Vilich wohl bekannt, daß die segensreiche Tätigkeit der heiligen Adelheid als Abtissin in Köln und als Abtissin in Vilich in der großen Verehrung fortlebt, die die Heilige seit nunmehr fast tausend Jahren unvermindert bis auf den heutigen Tag in der katholischen Bevölkerung des Rheinlandes genießt. Gerade in der heutigen Zeit, in der überall Egoismus und Materialismus weit verbreitet sind, gewinnt das Vorbild der Heiligen durch ihre hingebende, sich selbst entäußernde Nächstenliebe und ihre Sorge für die religiöse Unterweisung der Jugend besondere Bedeutung. Der Materialismus wird nur dann überwunden werden, wenn die Menschen der Gegenwart sich wieder auf die Tugenden besinnen, mit denen gerade die heilige Adelheid ein so treffliches Beispiel gab.“

Der Höhepunkt der Verehrung war natürlich die offizielle Bestätigung von Rom am 27. Januar 1966. Unser Kardinal Frings rief durch ein Hirtenwort vom 8. Juni 1966 die ganze Erzdiözese zur Mitfeier der Festoktav vom 19. bis 26. Juni auf, die er selbst im Kölner Dom eröffnete. Er schrieb: „In ihrer frohen Hingabe an Gott, ihrem liebenden Dienst an der Jugend, an den Armen und den Kranken, ist diese tatkräftige Frau zu einem Vorbild auch unserer Zeit geworden.“ Aus Rom war unter anderen Kurienkardinal Ferretto gekommen. Der Apostolische Nuntius Bafile, Vertreter der Bundes- und Landesregierung, der Nachbarbistümer, der Städte Köln, Bonn und Geldern, viele Priester und Ordensfrauen und eine große Zahl Männer und Frauen aus dem ganzen Bistum füllten den Dom beim Festhochamt. Mit besonderer Sorgfalt hatte die Stadt Beuel ihre Festwoche gestaltet. Höhepunkt war der Donnerstag, der 23. Juni 1966. Nach dem Hochamt in Vilich, an dem auch die Kardinäle, Bischöfe und die Vertreter der Behörden teilnahmen, hatten Bürgermeister Steger und Stadtdirektor Brock zu einer Festakademie ins Rathaus geladen. Der evangelische Pfarrer und Professor für Kirchengeschichte an der Universität Zürich, Walter Nigg, hielt den Festvortrag mit dem Thema „Der Heilige pocht an unsere Tür.“

Seit jenem 23. Juni 1966 sind wieder 23 Jahre vergangen. Die Bereitschaft zu verpflichtendem Glauben hat abgenommen, die nihilistische Orientierungslosigkeit zugenommen. Es fehlt an Leitbildern, die Nachfolge verdienen. Die tausendjährige Geschichte der hl. Adelheid und ihrer Verehrung hat in allem Auf und Ab mütterlich-freundlich den Rat- und Hilfesuchenden ein Stück Heimat gewährt. Nun wird ihr Fest am 5. Februar in der ganzen Erzdiözese gefeiert, die Pützchener Festoktav wird weiterhin an sie erinnern. Schöne moderne Kirchen wurden auf ihren Namen konsekriert, wie Müllekoven (1964), Köln-Brück, in der Konrad-Adenauer-Siedlung (1969), Greuelsiefen (1970) und Wissen-Niederhövels (1970). Als Bischof von Münster noch weihte unser Kardinal Höffner eine große neue Kirche in Geldern auf sie (1967/68). Viele Schulen tragen ihren Namen. Eine Reihe neuer Kunstwerke bringt dem Volk und besonders der Jugend das Bild der Frau nahe, die, geborgen in der Liebe Gottes, klug, nüchtern und praktisch, allem Schönen und Guten freudig hingegeben, zur Lehrmeisterin der Jugend, zur Mutter der Armen und zur Helferin in vielen leiblichen und seelischen Nöten wurde, deren gewinnende Gestalt aus der Geschichte von Beuel nicht wegzudenken ist.

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