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Erftkreis Bergheim

KircheSt. Remigius, Bergheim

Mater Dolorosa, 16. Jh.
Die Pest, ein Gnadenbild und eine lebendige Pilgertradition bis heute

Kontakt
Pfarrbüro St. Remigius
Kirchstr. 43
50126 Bergheim
02271 42285
pfarramt-bm-bergheim[æt]erzbistum-koeln.de

www.katholisch-in-bergheim.de
www.bergheim-wallfahrt.de

Foto 1Foto: Robert Boecker

von Martin Mölder

„Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, das sagt: Einmal Bergheim, immer Bergheim! Und es stimmt, wer einmal mit dabei war, der tut alles, um im nächsten Jahr wieder mit dabei sein zu können. Wir haben Mitpilger, die kommen aus München, Hamburg und Berlin, weil sie die Wallfahrt kennen gelernt haben.“ Annemarie Habermann pilgert seit fast 20 Jahren mit der „Bergheim.Bruderschaft“ aus Leverkusen Wiesdorf nach Bergheim zum Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes – immer am Wochenende vor Christi Himmelfahrt. Es gab Jahre, da hatte Annemarie Habermann blutige Füße, dann wieder gab es keine einzige Blase, aber immer war es ein besonderes Erlebnis in der Kirche der Kreisstadt des Rhein-Erft-Kreises anzukommen. Einer Kirche, die eine lange und bewegte Vergangenheit hat.
Ein Vorgängerbau hat wahrscheinlich im 11. Jahrhundert schon an der Stelle der heutigen Remigius-Kirche gestanden, wahrscheinlich in Form einer schlichten Saalkirche. „In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand dann dieses imposante romanische Bauwerk als Basilika, das sich in wesentlichen Teilen bis heute erhalten hat“, erzählt Heinz Weiczarkowiecz, lange Zeit Küster in St. Remigius.

Kapelle, Kloster und Kirche
Unter der Regierung des Herzogs Wilhelm IV. von Jülich (1475-1511) raubten zwei Diebe den Tabernakel der Kirche des damaligen „Bergheimerdorfes“ und raubten Monstranz und Ziborien mit den heiligen Hostien, um die Geräte in Köln zu verkaufen. Die Hostien warfen sie in einem zerbrochenen Glas in den nahegelegenen Wald. Der Förster J. Krämer entdeckte sie und informierte die Geistlichen. Diese zogen mit der Gemeinde in feierlicher Prozession zu der Stelle und trugen sie zurück in die Kirche. Zum Andenken an dieses Ereignis errichtete der Förster an der Stelle, wo die heiligen Hostien gelegen hatten, ein hölzernes Kreuz mit einem Marienbild und nannte es Bethlehem. Über dem Kreuz errichtete er eine Kapelle. Alsbald kamen aus der näheren und weiteren Umgebung zahlreiche Gläubige, um sich dem Schutz der Gottesmutter anzuvertrauen. Von den eingehenden Spenden sollte schon um 1542 eine Kapelle aus Stein errichtet werden, die – in der Zwischenzeit zerstört und neu aufgebaut – 1637 zum Zentrum eines Klosters wurde. In den Wirren des 30-jährigen Krieges und der Pest pilgerten immer mehr Menschen zum Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter in der Kapelle des Klosters Bethlehem.
Die Kirche wurde in dieser Zeit teilweise zerstört und von 1760 bis 1770 wieder renoviert. 1789 brach die Französische Revolution aus und die Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts traf auch das Kloster Bethlehem. Am 2. Juli 1802, dem Feste Mariä Heimsuchung, fand der letzte Gottesdienst dort statt. Das Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes wurde gerettet und in die damalige Pfarrkirche des Bergheimerdorf, der heutigen Kirche St. Remigius, gebracht. Dort wurde es zunächst auf dem Hochaltar aufgestellt. Später kam es auf einen Altar im nördlichen Seitenschiff. Daneben befestigte man in einer Mauernische das damalige Pestkreuz. Seitdem hat sich vieles verändert. 1873 wurden die beiden gotischen Seitenschiffe um ein Joch zu beiden Seiten des Westturms erweitert. Die Eingangshalle wurde erweitert und 1883 an der Stelle die neugotische Kapelle errichtet, in der das Gnadenbild heute seinen Platz hat.
Infolge des Braunkohleabbaus in der Region entstanden durch Grundwasserabsenkungen schwere Schäden an der Kirche. Der sogenannte „Giersberger-Sprung, eine tektonische Verwerfung, verursachte Setzungen und Risse, die Mitte der 1980er-Jahre noch stärker wurden. Deshalb wurden von 1989 bis 1994 umfangreiche Sanierungsmaßnahmen nötig, bei denen man das gesamte Mauerwerk durch ein Balkenrost aus Beton unterbauen und die Außenmauern und Säulen durch Bohrpfähle stützen musste. Unter die Säulen im Chor, wo sich die unterschiedlichen Setzungen besonders stark ausgewirkt hatten, wurden elektronisch gesteuerte Federausgleichselemente eingebaut, die die unterschiedlichen Setzungen ausgleichen und regelmäßig Messdaten dazu übermitteln können.

Foto 2Foto: Robert Boecker
Foto 3Foto: Robert Boecker

Die Treue der Wiesdorfer
Von den vielen Pilgerwallfahrten zum Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes haben sich bis in unsere Zeit einige erhalten, vor allem eben die der „Bergheim-Bruderschaft“ aus Leverkusen-Wiesdorf. Annemarie Habermann fasziniert nach wie vor, „das Erleben von Gemeinschaft mit einem gemeinsamen Ziel. Das ruhige Gehen, die feste Struktur, das gemeinsame Gebet, das ist eine Art Meditation. Und wenn am Ende des Pilgerweges die Kirchtürme von St. Remigius in Bergheim auftauchen und die Glocken für uns läuten, dann ist das immer wieder ein Glücksgefühl und Gänsehautmoment. Ich kann meine Sorgen bei der Mutter Gottes vortragen und ganz oft sagen: Maria hat geholfen! Und auch für Heinz Wieszarkowiecz ist es jedes Mal ein besonderes Erlebnis, in „seiner“ Kirche vor dem Gnadenbild zu knien: „Diese Pieta berührt mich jedes Mal, wenn ich hier bin. Das Besondere an dieser Darstellung ist ja, dass der Leichnam Jesu nicht auf dem Schoß Marias, sondern zu ihren Füßen liegt. Auch der Gesichtsausruck Marias bewegt mich, weil er eben diesen tiefen Schmerz der Gottesmutter zeigt. Hier komme ich jedes Mal zur Ruhe und zu mir selbst.“

Gebet

Gebet zum Gnadenbild

„Gib, o Mutter, Born der Liebe,
dass ich mich mit dir betrübe,
dass ich fühl´ die Schmerzen dein.

Dass mein Herz von Lieb´ entbrenne,
dass ich nur noch Jesus kenne,
dass ich liebe Gott allein.

Drücke deines Sohnes Wunden,
wie du selber sie empfunden,
heil´ge Mutter in mein Herz.

Dass ich weiß, was ich verschuldet,
was dein Sohn für mich erduldet,
gib mir teil an deinem Schmerz.

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